Autokredit Widerruf

Dank des sensationellen Urteils des EUGH vom 26.03.2020 (Aktenzeichen C-66/19) können Verbraucher ihre Autokreditverträge, bzw. Leasingverträge widerrufen.

Was bedeutet das für den Verbraucher und welche Verträge können widerrufen werden?

Grundsätzlich können alle Verbraucherdarlehen widerrufen werden! Die 14-tägige Widerrufsfrist, die vertraglich vereinbart ist, gilt nicht, weil der EUGH entschieden hat, dass die Widerrufsbelehrung fehlerhaft ist bei den meisten Verbraucherkreditverträgen.

Daher hat die 14-tätige Widerrufsfrist für die Verbraucher überhaupt noch nicht begonnen. Somit sind Verbraucherkreditverträge, bzw. Leasingverträge noch Jahre nach ihrem Abschluss für den Verbraucher widerrufbar.

Besonders Sinn macht das bei Autokredit, bzw. Autoleasingverträgen.

Der Verbraucher muss hier lediglich das Fahrzeug zurückgeben und kann sämtliche gezahlten Raten, nebst Sonderzahlung zurückverlangen.

Dies gilt für sämtliche, nach dem 11.06.2010 abgeschlossenen Darlehensverträge.

Wenn der Darlehensvertrag nach dem 13.06.2014 abgeschlossen worden ist, dann muss der Verbraucher nicht einmal die Nutzungsentschädigung für gefahrene Kilometer an die Leasinggeberin erstatten. Er wäre also das Fahrzeug jahrelang umsonst gefahren.

Insbesondere bei Verbrauchern, die vom Dieselskandal betroffen sind und ein Dieselfahrzeug finanzieren, macht es Sinn, diesen Widerrufsjoker zu ziehen.

 

Gibt es für den Verbraucher Risiken?

Es ist davon auszugehen, dass die Banken auf den erfolgten Widerruf nicht sofort die gesamten Raten erstatten.

Vielmehr werden sich die Banken wehren, so dass man um eine Klage nicht herumkommt. Hier besteht ein Prozesskostenrisiko.

Trotz der EUGH Entscheidung vom März 2020, die eigentlich mehr als eindeutig ist, kann es sein, dass die deutschen Gerichte ihr nicht folgen. Es kann also einen Gerichtsprozess über mehrere Instanzen geben, der ggf. sehr lange dauert.

Die gute Nachricht ist jedoch, dass die Rechtsschutzversicherungen sämtliche Prozesskosten finanzieren, so dass der Verbraucher überhaupt kein Risiko eingeht, wenn er den Autokreditvertrag, bzw. den Leasingvertrag widerruft und dann vor Gericht zieht.

Solange der Prozess läuft, fährt er einfach das Auto weiter und zahlt die Raten. Sollte der Prozess länger dauern, als der Leasingvertrag oder die Laufzeit des Autokredites, gibt der Verbraucher am Ende einfach das Fahrzeug zurück. Wenn er anschließend den Prozess gewinnt, erhält er später die gesamten Autokreditraten, bzw. Leasingraten zurück.

Das Risiko für den Verbraucher ist daher quasi null, solange er eine Rechtsschutzversicherung hat.

Bei Widerruf von Immobilienkreditverträgen sieht das ganze ganz anders aus, weil die Rechtsschutzversicherungen dieses Prozessrisiko ausgeschlossen hatten. Der Verbraucher musste daher selber das Prozesskostenrisiko eingehen.

Beim Widerruf von Autokreditverträgen, bzw. Autoleasingverträgen, sieht das ganze anders aus.